Politik und Spiritualität

Manche mögen denken, dass Politik und Spiritualität zwei Bereiche sind, die sich nicht verbinden lassen. Oder Assoziationen mögen aufkommen zu dem traditionellen „Gottes-Staat“, den es in manchen Ländern gab oder vielleicht sogar noch gibt?  Also mag es besser sein, diese Bereiche getrennt zu halten?

Es kommt dabei natürlich darauf an, was man unter Spiritualität versteht: Für mich bedeutet es in erster Linie ein Bewusstsein für die Verbundenheit allen Lebens auf dieser Erde und auch „Einheit der Vielfalt“.

Das hat nicht unbedingt nur etwas mit Religion und/oder Kirche zu tun. Gelebte Spiritualität finde ich überall dort, wo Menschen mit offenem Herzen handeln, füreinander, miteinander, sowohl im Interesse des Einzelnen als auch der Gemeinschaft. Kein polarisiertes Denken im Sinne von „Entweder-Oder“, sondern ein Einbeziehen dessen, was da ist, erstmal unabhängig von einer Einteilung in „Gut“ oder „Schlecht“. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass sich viele Probleme ganz anders und oft auch leichter lösen, wenn man erst einmal innehält und alle Aspekte des Problems betrachtet. Auch die Aspekte der Gegenseite oder des Abgelehnten. Nichts ist grundsätzlich nur gut oder nur schlecht. Alles hat aus verschiedenen Perspektiven betrachtet, verschiedene Aspekte. Wenn man diese einbezieht, entsteht größere Bewusstheit der Situation und daraus auch die Möglichkeit tragfähigerer Entscheidungen.
Um allerdings dieses innere Betrachten zuzulassen, braucht man eine Verbundenheit mit dem eigenen Herzen und eine gewisse Gelassenheit, eine Situation erst einmal auf sich wirken zu lassen, bevor man reagiert.
Menschen, die dazu in der Lage sind, würde ich als spirituell bezeichnen, weil sie nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit dem Herzen und der Seele denken und sich in eine Sache hineinfühlen, also eine ganzheitlichere Sicht und vielleicht auch mehr Mitgefühl erlangen. Das hat nach meinem Verständnis auch Jesus gemeint, als er sagte: „Liebet eure Feinde“. Wobei dies nicht bedeutet, unseren eigenen Standpunkt aufzugeben, wenn er uns stimmig erscheint.
Diese Art des Umgangs mit Problemen würde ich mir auch in der Politik wünschen und ich glaube, dass er möglich ist, wenn die Menschen dort mehr Aufmerksamkeit auf ihr Inneres lenken, bzw. auch mal „in den Schuhen“ des Gegners ein Stück gehen.

Die politischen Probleme unserer Zeit sind mit den althergebrachten Mitteln nicht mehr zu bewältigen. Sie scheinen sich von Jahr zu Jahr zu verschlimmern. Es braucht eine neue Sichtweise, einen neuen Blickwinkel. Eine Rück-Erinnerung an unsere Herzen,  unsere Menschlichkeit und an die Tatsache der Verbundenheit allen Lebens auf dieser Erde. Egal, welche Nationalität oder Hautfarbe wir haben, ob wir arm oder reich sind, links oder rechts stehen, jung oder alt sind,wir leben alle auf derselben Erde, unter derselben Sonne und atmen alle dieselbe Luft! Auch das ist eine Form von Globalisierung, – die Globalisierung der Menschlichkeit! Sie muss der wirtschaftlichen Globalisierung unabdingbar folgen, wenn wir unseren Lebensraum erhalten wollen.

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